Der Weg zum Mediengestalter – Gastbeitrag

Wir Autoren von der Farbwolke haben uns dazu entschieden, immer öfters Gastbeiträge von anderen kreativen zu veröffentlichen. Somit erweitern wir unsere Ansichten und unser Spektrum. Der Anfang wird von Lars gemacht der einen relativ frischen Blog zum Thema “Mediengestalter Traumjob?” führt. Möchtest du auch einen passenden Beitrag bei uns veröffentlichen? Dann schreib uns einfach eine E-Mail, wir sind für fast alles offen.

Über den Gastautor: Ich bin ein Auszubildender (Mediengestalter Digital und Print) im zweiten Lehrjahr in einer kleinen Druckerei. In meinem Blog “Traumjob Mediengestalter?” erzähle ich in kleinen Episoden, was mir in meiner täglichen Arbeit und in der Ausbildung für Probleme begegnen und möchte damit anderen Menschen den Job des Mediengestalters etwas näher bringen.

Früher oder später trifft ein Großteil der Ausbildungssuchenden einmal auf den Beruf des Mediengestalters Digital und Print und denkt dabei “Boah, das hört sich aber cool an, das möchte ich gerne werden”. Was hinter diesem Beruf steckt und wie schwierig der Einstieg ist, können leider die wenigsten erahnen. Auch ich habe einmal in dieser Situation gesteckt und möchte allen, die sich für die Ausbildung zum Mediengestalter interessieren meine Erfahrungen mit auf den Weg geben. Leute, die bereits wie ich in der Ausbildung stecken oder diese bereits abgeschlossen haben, werden sicherlich an einigen Stellen schmunzeln und sich selbst wieder erkennen.

Als ich vor knapp zwei Jahren auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz war, habe ich mich nur auf den Beruf “Mediengestalter Digital und Print” versteift, eben auch in der Vision “Wow, ist das ein cooler Job”. Leider hatte ich bis zu diesem Zeitpunkt noch keinerlei Praktika in der Medienbranche absolviert und auch nur eine mit einem einfachen Textverarbeitungsprogramm gestaltete Bewerbung an die Firmen verschickt – natürlich ein Fehler im Nachhinein gesehen. Die Firmen, die eine gute Ausbildung zum Mediengestalter Digital und Print anbieten, bekommen in der Regel sehr viele Zuschriften. Hier muss man gleich mit einer kreativen Bewerbung hervorstechen, in der man beweist, dass man die nötigen Grundvoraussetzungen für eine solche Ausbildung mitbringt.

Nach meiner zunächst erfolglosen Suche nach einem Ausbildungsplatz bin ich dann im Sommer 2007 auf eine Maßnahme eines Bildungsinstituts der Handwerkskammer gestoßen, die ausbildungsvorbereitend Grundkenntnisse der Ausbildung zum Mediengestalter Digital und Print vermitteln sollte. Leider musste diese Maßnahme von den Teilnehmern komplett selbst finanziert werden. Rückblickend gesehen war dies allerdings ein Bilderbucheinstieg in die Ausbildung, denn in dieser Maßnahme habe ich sämtliche Grundlagen der Ausbildung sehr ausführlich gelernt und auch wie man sich erfolgreich um eine Ausbildungsstelle in diesem Job bewirbt.

Letztlich habe ich doch noch eine Ausbildungsstelle in diesem Beruf gefunden und war froh, dass ich vorher in einem Zeitraum von 10 Monaten so viele Kenntnisse erworben habe. Durch diese Maßnahme, die den Stoff des ersten Lehrjahrs locker beinhaltet hat, war es mir dann auch möglich direkt in das zweite Ausbildungsjahr einzusteigen (wenn auch offiziell durch mein Abitur begründet).

Doch innerhalb der ausbildungsvorbereitenden Maßnahme und auch während der richtigen Ausbildung ist mir eigentlich erst das Berufsbild des Mediengestalters Digital und Print richtig klar geworden. Ein Mediengestalter gestaltet nicht den ganzen Tag locker vor sich hin, auch wenn das die Berufsbezeichnung vermuten lässt, oder kann sich selbst verwirklichen. Die Kreativität und das Gestalten stehen teilweise oft im Hintergrund. Kunden haben ihre eigene Vorstellung von Gestaltung, Firmen haben eigene Corporate Designs und die gestalteten Produkte können nicht immer nach dem eigenen Geschmack konzipiert und gestaltet werden, sondern müssen auf die Zielgruppe abgestimmt sein. Hinzu kommt, dass man zwar vielleicht von Natur aus ein gewisses Talent für Gestaltung mit sich bringen kann, die professionelle Gestaltung aber auf Grundregeln der Gestaltung, Typografie etc. basiert. Und letztlich muss man sich im Klaren sein, dass man auch ein ausgeprägtes Verständnis und Interesse für EDV-technische Dinge haben muss. Im Alltag eines Mediengestalters hat man mit vielen Problemen zu kämpfen, deren Ursachen einfach in der Technik liegen und die man mit Logik und technischem Verständnis lösen muss. Außerdem werden die Strukturen der Programme immer komplexer, weswegen ein gutes Verständnis für Computer-Logik und Programmstrukturen sehr wichtig ist. Je nach dem, in welchem Betrieb man die Ausbildung macht, kommt noch das Wissen über Drucktechnik dazu, dessen Grundlagen generell im Berufsschulunterricht behandelt werden.

Wie man sehen kann steckt hinter der Ausbildung und dem Berufsbild des Mediengestalters Digital und Print eine ganze Menge, die man allein von der Berufsbezeichnung her nicht ersehen kann. Bevor sich jemand für eine solche Ausbildung entscheidet sollte er oder sie sich wirklich ausführlich informieren, z.B. durch ein Praktikum in einem entsprechenden Betrieb. Leider eignen sich auch nicht unbedingt alle Betriebe für eine solche Ausbildung, da sie zu spezialisiert auf die Herstellung eines Produkts sind und trotzdem diesen Beruf ausbilden dürfen. Daher sollte man bei der Suche auch genau vergleichen und abwägen, auch wenn man froh ist überhaupt eine Ausbildung zu bekommen.

Abschließend möchte ich allen Interessierten sagen, dass dieser Beruf durchaus spannend ist, und ich letztlich auch froh bin diesen Weg gegangen zu sein, dass es jedoch auch viele Dinge gibt die man bei der Wahl dieses Berufes beachten muss.

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Gründer & Ideengeber von der Farbwolke. Ist ein Twitter-Fan und mag es Fotos zu machen. Man kann seine gesammelten Werke auf martin-neuhof.com anschauen. Wer mit dem Autor reden möchte kann auch gerne über Facebook Kontakt aufnehmen. Gefallen dir diese Beiträge und du möchtest dem Autor vielleicht eine kleine Überraschung machen? Dann schau doch mal bei seinem Amazon.de Wunschzettel vorbei.

4 Kommentare:

  • Dennis sagt:

    Sehr schöner und ausführlicher Artikel über den Beruf des Mediengestalters. Kompliment! Erkenne mich an der ein oder anderen Textstelle zweifelsfrei wieder, gerade was die Vielfalt der Aufgaben angeht.

    Nach einem Jahr Selbstständigkeit als Mediengestalter muss ich so manche Ansichten aber auch relativieren. Es kommt eben immer drauf an, an welcher Stelle der Kette man steht. Heute bekomme ich nicht nur bestehende Corporate Designs vorgesetzt, an die ich mich zu halten habe, sondern entwerfe selbst welche bzw. unterziehe einem bestehenden Corporate Design einer Frischzellenkur.

    Nach 4,5 Jahren Erfahrung in diesem Beruf muss ich sagen, dass es genau der Beruf ist, nach dem ich gesucht habe.

  • Enno sagt:

    Vorher 10 Monate Grundlagen lernen, die dann die Inhalte des ersten Lehrjahres beinhalten? Und das, damit man einen Ausbildungsplatz erhält? Das ist doch krank! Wie bitte schön definiert man AUSBILDUNG? Habe meine Ausbildung zum einfach so beginnen und in nur 2 Jahren absolvieren können (erstes Lehrjahr so nebenbei reingepaukt und Zwischenprüfung nach 6 Monaten).

  • Martin sagt:

    @Enno bevor ich mich zum Mediengestalter beworben habe musste ich auch ausreichende Referenzen vorzeigen. Heutzutage nimmt dich kaum ein Ausbildungsbetrieb ohne vorheriges Grundwissen / Skills.

    Da scheinst du einfach Glück gehabt zu haben.

  • Bianca K sagt:

    Das ist echt sehr ausführlich erklärt!
    Ich bin nun bald im 2ten lehrjahr auf einem Berufskolleg – absolviere die ausbildung also nicht in einem betrieb.
    Und werde nun mein (erst 2tes) praktikum in einer werbeagentur absolvieren.
    Da dieser bildungsgang bei mir noch relativ frisch ist kann ich auch sagen das ich oft dachte :” wuha das hört sich ja cool an!” :-)
    bisher macht es mir dennoch viel spaß!
    Ich beherzige deine Informationen und wünsch dir viel glück :-)

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