Gedanken-Wolke mit Christian Hoffmann

Diesmal möchten wir mit diesem Interview, einen kreativen Medieninformatik Student vorstellen. Er dreht Filme, schießt Fotos und arbeitet nebenbei noch beim MDR.

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1. Stell Dich doch bitte kurz vor.

Hallo! Mein Name ist Christian (25) und ich bin gebürtiger Leipziger, der momentan in Wernigerode weilt, um dort Medieninformatik zu studieren.

2. Was begeistert Dich zur Zeit?

Die Reportagen von National Geographic. Ich lese das Magazin jetzt schon ein paar Jahre aber in den letzten Wochen hatte ich mal wieder etwas mehr Zeit, um ein paar liegengebliebene Ausgaben zu lesen. Die Verbindung aus kritischen Journalismus und fantastischen Bildern hat eine so unglaubliche Wirkung! Unser Planet ist so faszinierend aber die meisten Menschen wissen so wenig über ihn. Irgendwie sehr schade, dass solchen Themen in unserer Medienwelt so wenig Platz eingeräumt wird, zumal sie heute wichtiger denn je sind.

3. Du hast ja eine längere Zeit in Leipzig gelebt, was verbindest du mit Leipzig und gibt dir diese Stadt kreativen Input?

Wenn ich heute an Leipzig denke, dann verbinde ich meine Heimatstadt vor allem mit dem perfekten Mix aus Großstadt und Natur. Ich kann mich aber noch gut daran erinnern, wie ich mich als Jugendlicher immer nach anderen Städten wie Berlin oder München gesehnt habe – nach dem “echten” Großstadtleben sozusagen. Hat man aber erst einmal genug fremde Luft geschnuppert, dann kann man seine Heimatstadt mit ganz anderen Augen neu für sich entdeckten.
Dennoch ist Leipzig eher mein Ruhepol und gibt mir nicht den kreativen Input, welchen ich auf meinen Reisen so intensiv in mir aufsaugen kann. Victor Hugo hat einmal gesagt: “Reisen ist, in jedem Augenblick geboren werden und sterben.”. Vermutlich ist das auch mein Antrieb, der mich sofort beim Antritt einer Reise vollkommen anders auf die Welt und die Menschen um mich herum schauen lässt. Meiner Meinung nach entstehen genau in dieser Zeit auch meine besten Bilder.

4. Was machst Du um Deine Brötchen zu verdienen?

Meine Brötchen backe ich derzeit als Bild- & Tontechniker im Hauptschaltraum des Mitteldeutschen Rundfunks ins Leipzig. Zugegeben ein enorm technisch geprägter Arbeitsplatz, der für mich aber auch gleichzeitig eine hervorragende Möglichkeit ist, um bei der technischen Entwicklung am Ball zu bleiben. Außerdem ist es ein prima Ausgleich zum Studium und dem kreativen Arbeiten.
Gelegentlich bleibt neben Studium und Job auch noch etwas Zeit für Aufträge als freier Fotograf, Kameramann oder Grafiker. Ich liebe es einfach multimedial zu arbeiten!
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5. Wir haben eine Kategorie mit dem Namen „Inspiration finden” auf Farbwolke, aus was ziehst du deine Inspiration?

Das kommt ganz auf das Medium an, mit dem ich gerade arbeite. Das Web ist natürlich eine schier unerschöpfliche Quelle für Inspirationen. Oftmals sind es zufällige Funde die sich als echte Perlen herausstellen und die eigene Kreativität anregen.
Abgesehen davon ist meine Umwelt natürlich die beste Quelle für Inspirationen. Am spannendsten ist für mich aber noch immer die Diskussion und Zusammenarbeit mit Freunden, die die eigene Arbeit einfach unvoreingenommener betrachten und mit mir zusammen tolle Projekte verwirklichen. Die dabei entstehenden kritischen Gespräche spornen mich noch zusätzlich an.

6. Siehst du deinen Beruf / Ausbildung, eher als Mittel zum Zweck oder ist er deine Leidenschaft?

Sowohl meine Ausbildung zum Mediengestalter Bild/Ton, als auch mein jetziges Studium habe ich mir sehr bewusst ausgesucht. Zum Einen natürlich, um mit einem guten Abschluss bessere Chancen auf einen spannenden Arbeitsplatz zu haben. Zum Anderen aber auch, um meinen beiden Leidenschaften Gestaltung & Technik mehr Freiraum zu geben. Insofern sind Ausbildung und Studium auch Mittel zum Zweck, jedoch mit dem angenehmen Nebeneffekt, dass ich mich dadurch auch ein stückweit selbst verwirklichen kann und meinen Leidenschaften nachgehe. Die Arbeit beim MDR macht mich außerdem finanziell unabhängig und ermöglicht mir überhaupt erst das Reisen und mein Studium. Freie Aufträge nehme ich im Allgemeinen nur an, wenn mich das Projekt auch wirklich reizt und ich mit voller Überzeugung dabei bin.

7. Wie sieht ein typischer Tag in Deinem Leben aus?

Einen typischen Tag gibt es zum Glück nicht – wäre ja auch langweilig. Je nachdem, ob ich Hochschule habe oder gerade in Leipzig zum Arbeiten bin, stehe ich so früh wie möglich auf (6-16 Uhr). Die große Spanne ergibt sich daraus, dass ich immer im Schichtdienst arbeite und deshalb höchst unterschiedliche Dienstzeiten habe. Ganz egal wann ich aufstehe muss, ich komme meist nur schwer aus den Federn. Muss wohl an meinem tollen Bett liegen! Nach der ersten Aufwachphase lese ich erstmal meine Mails und die einschlägigen Nachrichtenseiten. Nebenbei gibt es meist ein wenig Frühstück, wenn noch genug Zeit dafür ist (selten). Da ich vorallem vor und während der Prüfungszeit arbeite, habe ich nach der Arbeit wenig Zeit für die schönen Dinge des Lebens. Entweder ich sitze an Studienprojekten oder lerne für die anstehenden Prüfungen. Das sieht während des Semesters schon deutlich besser aus. Da es um das Nachtleben in Wernigerode aber nicht sonderlich rosig bestellt ist, bleibt eine Menge Zeit für Fotografie, Film & Gestaltung – kommt immer darauf an, wonach mir gerade der Sinn steht. Einmal täglich selber Kochen ist bei mir fast schon Pflicht, da ich einfach für mein Leben gerne koche & esse. Eine Sache ist jedoch fast immer gleich: ich arbeite bis spät in die Nacht, vorallem wenn mich erst einmal die Arbeitswut gepackt hat und die Ideen nur so sprudeln. Das erklärt vermutlich auch mein Unmut beim morgendlichen klingeln des Weckers.

8. Zeitmaschnine. Wie sieht Dein ideales Ich/Leben in 20 Jahren aus?

Mit 45? Ich hoffe ich bin nicht zum Workaholic geworden und genieße mein Leben genau so, wie ich es jetzt auch mache. Es wäre toll, wenn ich genug Zeit mit meiner Familie und meinen Kindern verbringen könnte und mich nicht um meine finanzielle Zukunft sorgen müsste. Am besten könnte ich mir eine freie Mitarbeit im technisch-kreativen Bereich einer Multimediaagentur vorstellen. Der vollkommen andere Plan B wäre die Eröffnung eines kleinen Hotels. Falls das irgendwann mal klappen sollte, dann werdet ihr mich in keinem Büro, sondern irgendwo zwischen Süddeutschland und Frankreich auf einem sonnigen Weinberg wiederfinden, zusammen mit einem kleinen Hotel/Restaurant, welches ich zusammen mit meiner Frau führe.
Ganz egal was in 20 Jahren ist – ich bin echt gespannt darauf!

9. Was unternimmst du um Kritik für deine Fotos zu bekommen (außer sie auf deinen Photoblog http://fotos.f1984.de zu posten)?

Ich muss ehrlich gestehen, dass ich bis vor kurzem, abgesehen von der Kritik durch Freunde und Verwandte, nur sehr wenig unternommen habe, um ein Feedback für meine Fotos zu bekommen. Dank Flickr und Photoblog ändert sich das mittlerweile, dennoch ist es aufgrund der visuellen Fülle extrem schwierig aus der Masse herauszustechen. Ich denke dafür muss ich noch einiges an Zeit und Arbeit investieren, damit das gelingt. Aber ich bin da ganz optimistisch.

10.Was war der Tiefpunkt & der Höhepunkt deiner gestalterischen Laufbahn?

Mein persönlicher Höhepunkt war ein Kurzfilm, welchen ich zusammen mit einer Volontärin vom MDR drehen und schneiden konnte. Aufgrund guter Quoten und dem hohen Zuschauerinteresse, wurde der Kurzfilm sogar außerplanmäßig zu einer guten Sendezeit wiederholt. Das war schon eine tolle Sache.
An wirkliche Tiefpunkte kann ich mich nicht entsinnen. Bisher konnte ich aus jeder Arbeit etwas positives für micht mitnehmen, auch wenn ich damit selbst vielleicht nicht hundertprozentig zufrieden war. Vermutlich kommen die Tiefpunkte erst dann, wenn ich mich öfter auf dünnes Eis begebe, was bisher noch nicht so oft der Fall war.

11. Wie suchst du dir deine Fotografie Motive aus? Spontan oder geplant?

Meine Motive auf Reisen sind bis auf wenige Ausnahmen immer spontan. Ich lasse mich gerne treiben und beobachte neugierig was um mich herum passiert. Dadurch kommen die Motive meistens von ganz alleine.
Geplante Motive gibt es bei mir nur dann, wenn ich im Studio fotografiere.

12.Kannst du uns Einblicke in deine aktuellen Arbeiten geben?

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13. Mit was für eine Ausrüstung fotografierst du und mit welchen Mitteln bearbeitest du deine Bilder nach?

Der Großteil meiner Bilder entsteht mit einer Canon EOS 5D und den dazu passenden Objektiven, denen meines Erachtens oft viel zu wenig Beachtung geschenkt wird. Ohne lichtstarke Festbrennweiten würden einige meiner besten Porträts deutlich an Ausdruckskraft verlieren. Außerdem bin ich ein großer Fan von Available-Light Fotografie, vor allem bei Konzerten. Die digitale Nachbearbeitung erfolgt mit Adobe Lightroom und Photoshop.

Neben der digitalen Ausrüstung benutze ich trotzdem gerne meine analogen Kameras. Zum Einen halte ich die alte PRAKTICA meines Opas in Ehren und zum Anderen bin ich nach wie vor begeistert von meiner Kiev88 CM, welche durch das 6×6 Format spannende Bildausschnitte ermöglicht und außerdem zum bewussteren fotografieren erzieht. Vielleicht klappt es ja auch bald wieder mit dem eigenen Labor im Keller. Mit Film und Chemie zu arbeiten hat noch immer seinen ganz eigenen Reiz.

14. Hast du ein Lieblingsfoto und kannst uns die Geschichte dazu erzählen?

Ich hab viele Bilder, zu denen ich einen Geschichte erzählen kann, weshalb mir eine solche Auswahl sehr schwer fällt. Dennoch ist mir dieses Foto besonders in Erinnerung geblieben, was vermutlich daran liegt, dass ich die Stadt in der ich es aufgenommen habe wirklich sehr mag.

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Das Bild ist letzten Sommer auf der Strandpromenade in San Sebastian (Spanien) entstanden. Die Situation an sich war schon sehr skurril. Während die meisten Leute von der starken Brandung ungewollt völlig durchnässt wurden, gab es da diesen einen Mann, der das überspülende Wasser geradezu genossen hat. Eigentlich war ich schon an ihm vorbei, als ich mich noch einmal kurz umgedreht habe und genau in diesem Moment hat alles gepasst: der Mann, das überschäumende Wasser und die Schaulustigen. Klick!

15.Welche 3 Seiten besuchst Du regelmäßig?

http://www.spiegel.de
http://www.flickr.com
http://www.vimeo.com

16.Mit welcher bekannten Persönlichkeit würdest du gerne einmal Zusammenarbeiten und an welchen Projekt würdest du dann mit dieser Person arbeiten wollen?

Die Frage muss ich ein wenig auf die unterschiedlichen Medien aufteilen: Im Bereich Film/Video würde ich sehr gerne einmal mit David Lynch zusammenarbeiten und mit ihm einen abgedrehten Kurzfilm realisieren und im Bereich Fotografie wäre eine Zusammenarbeit mit dem Fotografen James Nachtwey sicher unglaublich lehrreich. Einmal mit Nachtwey eine Reportage fotografieren, am besten noch für National Geographic – das wärs!

Links:
-> Flickr-Stream
-> Photoblog


Dieser Artikel wurde von geschrieben.

Gründer & Ideengeber von der Farbwolke. Ist ein Fotograf aus Leipzig. Man kann seine gesammelten Werke auf martin-neuhof.com anschauen. Wer mit dem Autor reden möchte kann auch gerne über Facebook Kontakt aufnehmen.

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