Gedanken-Wolke mit Ken Knoll (Younghill)

Ken habe ich durch die Arbeit als Jury-Mitglied des “Schlaands Fotowettbewerbs” entdeckt. Dabei hab ich mir sein Portfolio und seine Fotos einmal näher betrachtet. Dabei kam mir die Idee zu diesen Interview.

1. Stell Dich doch bitte kurz vor.
warnemuendeHallo zusammen! Ich heiße Ken Knoll, bin mit Leib und Seele Fotografie-Begeisterter und Student (dieser Leidenschaft gehe ich in Darmstadt nach). Ich fotografiere schwerpunktmäßig Menschen, lege mich aber ungerne darauf fest. Ich schieße, was mir kurios oder "besonders" erscheint.

Seit nicht allzu langer Zeit habe ich angefangen, auf meinem Blog über meine Bilder zu erzählen und freue mich über den Austausch, der so zustande kommt.

2. Was begeistert Dich zur Zeit?

Da gibt es zum Beispiel Markus Schwarze (day.fotowusel.de), der in Hamburg tolle Bilder von Passanten macht. Er ist eine Rieseninspiration und hat mir überhaupt den Mut gegeben, einfach mal irgendwelche Leute für Straßenportraits anzusprechen. Meine noch recht neue große Leidenschaft gilt strobist.blogspot.com. Ich habe früher fast ausschließlich natural-light fotografiert und tauche dank David Hobby, der eine unglaublich interessante und lesenswerte Seite unterhält, immer tiefer in die Welt der "Strobisten" ab. Ansonsten lese ich zur Zeit begeistert Bücher von Joe McNally (The Moment it  Clicks) und Michael Grecco (Lighting and the Dramatic Portrait). Von diesen Büchern lerne ich, dass ein gutes Foto zwar oft auch eine Glückskomponente beinhalten kann, aber meist das Ergebnis einer sehr guten Vorbereitung ist.

3. Laut deinem Blog fotografierst du viele WM-Fans, hat dir die 
Weltmeisterschaft bisher gut gefallen? Für welches Team bist du? Und  was reizt dich diese Fans zu fotografieren?
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Die Weltmeisterschaft scheint sich wieder zu einem Sommermärchen zu entwickeln! Ich habe großes Spaß, dem deutschen Team beim schönen Spiel zuzusehen und genieße die gelöste Stimmung bei uns in der Stadt. Die Fans sind ausgelassen, fröhlich und strahlen von innen heraus. Diese Zutaten alleine machen für mich schon die halbe Miete für ein gutes Foto aus – ich muss eigentlich nur noch draufhalten und abdrücken. Die Bilder sollen ein Dokument für diese wahnsinnig tolle Stimmung sein und der Welt zeigen, wie in Deut schland gefeiert wird.

Insbesondere finde ich den Aspekt der Diversität interessant: Ich wohne in einer Studentenstadt, es gibt Menschen in allen Farben und Formen – und dennoch tragen die meisten ein Deutschland-Trikot, haben eine Deutschland-Flagge umhängen oder ins Gesicht gemalt… Fußball verbindet die Menschen, und das finde ich toll!

4. Du führst deine Webseite auf Englisch. Gibt es dafür einen speziellen Grund oder magst du es einfach nur ein wenig Internationaler gestalten?image006

Ich lese sehr viel in englischsprachigen Blogs und Büchern und denke in vielen Situationen tatsächlich intuitiv an die englischen Begriffe des Fotografierens. Dazu habe ich einige Freunde auf der ganzen Welt und hatte diese Seite ursprünglich als Foto-Zeig-Seite für meine Freunde gedacht. Das ganze ist dann natürlich etwas darüber hinaus gewachsen, weil ich die Fotos auch anderen zeigen und die Geschichten hinter meinen Bildern erzählen wollte. Ich finde die Entstehungsgeschichten hinter Fotos unglaublich spannend – und meine eigenen Geschichten zu erzählen, hilft mir auch, etwas darüber zu reflektieren – und es für später mal festzuhalten.
 
5. Wie empfindest du die gesamte fotografische Entwicklung von Digital  zu Analog, wärst du ohne die digitale Technologie überhaupt zur Fotografie gekommen?

Ich habe wie so viele mit der alten Spiegelreflex meines Vaters angefangen, einer Asahi Pentax. Ich habe etwas über Blende, Brennweite, Belichtung und Filme gelernt – aber als armer Student nie wirklich das Geld gehabt, die Fotos im großen Umfang zu verballern, was aber nötig ist, wenn man besser werden will. Daher ist sehr schnell der Wunsch nach etwas digitalem gereift – ich habe aber nie eine "Knipse" besessen, sondern habe direkt mein Geld zusammengekratzt und mir eine gebrauchte EOS 300D gekauft. Diese Entscheidung war die beste, die ich je getroffen habe! Die digitale Fotografie ist eine riesige Spielwiese, ich habe lange bevor ich selbst fotografiert habe schon in Photoshop rumgebastelt und konnte so meine Interessen verbinden. Momenten ist ja der Retro-Analog-Look sehr gefragt und jedes alte, analoge, körnige Bild wird sehr gelobt – ein bisschen Nostalgie ist auch was schönes, ich "entwickle" meine Bilder auch ganz gerne mal etwas "cross" – und mit den digitalen Daten ist das eben sehr einfach.

6. Wir haben eine Kategorie mit dem Namen „Inspiration finden“  auf  Farbwolke, aus was ziehst du deine Inspiration?

Ich habe ja oben die Bücher und Blogs erwähnt – da kommen die meisten meiner Ideen her. Ansonsten browse ich eigentlich täglich durch VIEW (und hatte mich riesig gefreut, dass mich die Jungs dort gefeatured hatten) und sammle teilweise sehr konkret Inspirationen für geplante Shootings. Die Bilder schmeiße ich in einen Inspirations-Stream, das geht mit Snipi (dringend mal angucken) mit einem Klick. Seiten wie farbwolke sind für mich Schatzkisten, auf denen ich tagelang rumbrowsen könnte. Seltsamerweise ist meine Online-Aktivität eigentlich erst später erwacht, ich habe relativ isoliert angefangen zu fotografieren und stelle heute rückblickend fest, dass ich früher die gleichen "Fehler" wie die meisten Anfänger gemacht habe – und das ist wohl auch gut so! Auch ich bin einst in das HDR-Loch gefallen…

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7. Mit was für Equipment fotografierst du?image006 (1)

Früher hätte ich mich wohl ausschließlich als Available-Light-Photographer bezeichnet. Heute eher als Low-Budget-Photographer. Ich habe die die meisten meiner Fotos mit besagter 300D gemacht und bin seit neuestem stolzer Besitzer einer alten 5D. Ich habe schon recht früh von dieser Kamera geträumt und bin nun sehr glücklich mit dem schönen Stück. Ich habe im Prinzip keine tollen Linsen, abgesehen von meiner 50 f/1,8, die ich sehr liebe. Ich habe früher einfach mal blind "hauptsache Brennweite" irgendwelche sogenannten Flaschenböden gekauft (wie das 35-135 f/4-5.6), die nicht toll sind, aber die ich nunmal benutze, solange ich mir keine besseren Gläser mit rotem Ring leisten kann. Ansonsten bin ich überzeugter Selbstbastler: Mein neues Strobist-Hobby hat mich zumindest dazu geformt. Eine selbstgenähte Schirm-Softbox, drei umgebaute alte Aufsteckblitze von Metz und Minolta, ein paar Ebay-Fernzünder und jede Menge Krimskrams wie Farbfolien, Reflektoren, Klammern, Schirmneiger… es nimmt immer weiter zu.

8. Was würdest du als einer deiner besten Arbeiten bezeichnen?

Ich glaube, das ist aus der eigenen Sicht immer sehr schwierig zu beurteilen. Meine Bilder beinhalten immer auch eine emotionale Komponente, die mich in die Situation zurücktransportiert. Daher habe ich zum Beispiel eine innige Verbindung zu dem Kornfeld-Foto, das die Erinnerung an einen wunderschönen Urlaub auf Usedom wachruft. Oder das Auto, das ich auf einem Roadtrip in den USA irgendwo in der Wüste Arizonas mitten in der Nacht fotografiert habe. Das gleiche gilt für die Lombard Street in San Francisco oder die freundliche alte Frau aus Argentinien. Meine aktuelle Serie macht mir sehr viel Spaß, obwohl die Bilder spontan, und "einfach" sind. Sie sind ein bisschen back-to-the-roots, kein Licht, einfache und schnelle Portraits, die aber eine Stimmung festhalten. Es gibt auf der anderen Seite auch Bilder, die technisch eine Herausforderung darstellen – aber unabhängig von der Frage, wieviele Lichtquellen, welche Blende oder welche sonstigen Dinge berücksichtigt wurden, ist die emotionale Verknüpfung für mich das wichtigste.

9. Mit welchen Alter hast du Angefangen, kreativ zu werden? Und wann > hast du es bewusst wahrgenommen?
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Das ist sehr relativ: Ich habe schon als kleines Kind mit analogen Kameras "geknipst" – natürlich ohne künstlerischen Anspruch. Ich habe spät angefangen, mir über  Gestaltungselemente wie Blende, Schärfentiefe, etc. Gedanken zu machen. Lange vorher, vielleicht mit 15 oder 16, habe ich allerdings schon in Photoshop rumgespielt und mich an Webseiten-Designs probiert.

10. Welche 3 Seiten besuchst Du regelmäßig?

Eigentlich immer alle beschriebenen Blogs rauf und runter. Strobist gehört dabei aber zur ersten Adresse. Ich schaue auch gerne ins DSLR-Forum und auf VIEW.

11.Mit welchem Künstler würdest du gerne einmal Zusammenarbeiten und  an welchen Projekt würdest du dann mit dieser Person arbeiten wollen?

Ich würde gerne mit Joe McNally und David Hobby ein paar "spektakuläre" Shoots an geilen Locations machen. Ansonsten gibt’s da einen gewissen ONDRO, der spektakuläre Bilder von "bösen Jungs"(Rapper, etc) macht. Ihm würde ich gerne mal über die Schulter gucken.

12.  Für welche Firma würdest du gerne einmal arbeiten?

Die Standard-Antwort müsste nun eigentlich Google heißen, aber am liebsten würde ich für meine eigene Firma arbeiten :) Ich habe mit meinem besten Freund einiges in Planung und wir sind dabei, Fuß im Bereich des "Crowdsourcings" zu fassen.

13. Was ist dir wichtiger, ein schönes eigenes Online-Portfolio oder  eine perfekt abgegeben Arbeit?image020

Mir ist die Präsentation des Portfolios zwar schon wichtig, aber ich habe nicht die Zeit, es perfekt zu machen. Daher konzentriere ich mich meistens auf die Fotos.

14. Du benutzt ja ein Blog-System für deine Webseite und sicher andere  Social-Network Plattformen, wo siehst du den Sinn in solchen  Online-Tools, und was bringen sie dir?

Ohne WordPress wäre mein Leben traurig und grau! Ich benutze Facebook und solche Netzwerke, um immer mal wieder meinen Freunden ein Update zu geben über neue Projekte, Fotos, etc – und bekomme so schnelles und einfaches Feedback. Ohne geht’s nicht (mehr)!

15. Was hältst du von der Farbwolke und was würdest du evtl.  verbessern wollen?

Farbwolke finde ich einfach klasse! Ihr präsentiert sehr geschmackvoll und stilsicher tolle Portfolios und Bilder, die Aufmachung ist klasse.

Wenn ihr die Künstler noch mehr zu Wort kommen lasst, und mal konkret Entstehungsgeschichten zu bestimmten Bildern nachfragt, wird es vielleicht sogar noch interessanter. Aber ich kann nur sagen: Bitte so weitermachen!

Infos zum Interviewpartner:
>> Porfolio >> http://younghill.net

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Gründer & Ideengeber von der Farbwolke. Ist ein Fotograf aus Leipzig. Man kann seine gesammelten Werke auf martin-neuhof.com anschauen. Wer mit dem Autor reden möchte kann auch gerne über Facebook Kontakt aufnehmen.

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