Gedanken-Wolke mit Rozana

Heute mit der Kroatin Rozana. Ihr solltet euch auch mal ihre Webseite und den Twitter-Account anschauen. Sehr sehenswert.

1. Stell Dich doch bitte kurz vor.
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Rozana, 29, gebürtige Kroatin, in Stuttgart geboren und dort auch zu Hause.

2. Was begeistert Dich zur Zeit?
Musikalisch höre ich im Moment am liebsten Fever Ray mit “Keep the streets empty for me”, zum Lesen komm’ ich gerade bei “Die Wette” nicht aus dem Lachen heraus: Was erwartet man auch, wenn Steve Hely, Drehbuchautor von “American Dad” und Vali Chandrasekaran, Drehbuchautor von “My name is Earl”, eine Weltreise gegeneinander antreten, nur um eine Flasche Scotch zu gewinnen? Und dann ist das Ganze auch noch wahr.

3. In was für einer Stadt lebst und was macht sie für dich so besonders?
Stuttgart – liebevoll auch das “größte Dorf Deutschlands” genannt (das stimmt auch). Und das macht die Stadt auch so gemütlich, ich muss auf nichts verzichten. Auch die Tatsache, dass ich, obwohl ich dort geboren bin, immer wieder Neues entdecken kann, macht sie so spannend für mich.

4. Was machst Du um Deine Brötchen zu verdienen?
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Ich arbeite als Art Directrice bei einem Print-Dienstleister nahe Stuttgart.

5. Wir haben eine Kategorie mit dem Namen „Inspiration finden”  auf Farbwolke, aus was ziehst du deine Inspiration?
Schwer zu sagen. Manchmal ist es ein bestimmtes Lied, manchmal ein Bild – oder einfach der Alltag; die letzte Idee entsprang aus einem Tetrapak Apfel-Himbeer-Direktsaft.

6. Siehst du deinen Beruf / Ausbildung, eher als Mittel zum Zweck oder ist er deine Leidenschaft?
Definitiv eine Leidenschaft. Ich wüsste gar nicht, welchen anderen Job ich überhaupt ausüben könnte, um innerlich so zufrieden werden zu können. Schließlich verbringe ich mehr Zeit vom Tag im Büro als anderswo – ich würde durchdrehen, wenn die Arbeit mich nicht erfüllen würde.

7. Wie sieht ein typischer Tag in Deinem Leben aus?

Viel zu spät aufstehen, an meiner Rose im Vorgarten schniefen, ins Büro düsen, Musik anmachen, frühstücken, arbeiten – meistens mit Spaß an der Sache und mit viel Lachen. Abends dann Kino, gemeinsam kochen oder Freunde treffen. Weniger spektakulär. Tage sind manchmal verdammt kurz. Und zwischen den Tagen ist ein Städtetrip immer ganz angenehm.

8. Zeitmaschnine. Wie sieht Dein ideales Ich/Leben in 20  Jahren aus?
Keine Ahnung, wie es in 20 Jahren aussehen soll – ich weiss nur, dass ich in 50 Jahren auf einer Parkbank sitzen und mit einem stolzen Lächeln auf mein Leben zurückblicken möchte.

9. Was unternimmst du um Kritik für deine Fotos zu  bekommen?

Ich zeige sie Leuten auf flickr und auf meinem Blog. Ich freue mich über Kritik, bin aber keine Person, die versucht, es anderen Recht zu machen. Ich versuche mich immer zu bessern, das auf jeden Fall, aber mir sind die Meinungen von Menschen, die ich kenne, wichtiger als von “wildfremden”.
Deswegen halte ich mich da lieber etwas zurück und bin nicht zwingend erpicht darauf, sie auf sämtlichen Foto-Portalen zu präsentieren.

10.Was war der Tiefpunkt & der Höhepunkt deiner
gestalterischen Laufbahn?

Tiefpunkt: Ich war enttäuscht, dass ich nicht an der FH angenommen wurde. Das hat mir schwer zu schaffen gemacht.
Höhepunkt: Die Feststellung, dass ich auch ohne FH an den Punkt gelangen konnte, an dem ich heute bin. – Die Erkenntnis, dass nicht die Schulbildung das A und O ist, sondern die Fähigkeit, was man mit Augen und Herz sieht, anderen sichtbar machen zu können. Klingt schmalzig, ist aber so.

11. Wie suchst du dir deine Fotografie Motive aus? Spontan oder geplant?
Spontan. Ich habe noch nie ein geplantes Fotoshooting gemacht und das eine Mal, als ich es versucht habe, hat es mich in Stress versetzt und ich war unglücklich mit dem Ergebnis. Ich bevorzuge es, den “einen” Moment festzuhalten. Ich liebe alltägliche Situationen, die aus dem Nichts entstehen und einer Erinnerung würdig sind.

12.Kannst du uns Einblicke in deine aktuellen Arbeiten  geben?
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Alle 3 Bilder sind in meinem letzten Urlaub entstanden, in Kroatien, bei der Familie.

13. Mit was für eine Ausrüstung fotografierst du und mit welchen Mitteln bearbeitest du deine Bilder nach?
Canon 350D (18-125mm f 3,5 und 50mm f 1,8), eine Lomo Actionsampler und Fisheye.  Mein “neuestes” Baby ist eine Yashica fx-103 mit Tele- u. Weitwinkelobjektiv und Festbrennweite, Baujahr 1985. Bearbeiten tu ich die Bilder überwiegend als RAW in Photoshop (CS3) – Lightroom ist mir persönlich noch ein Rätsel, habe mich aber auch noch nicht genauer damit befasst.

14. Hast du ein Lieblingsfoto und kannst uns die Geschichte  dazu erzählen?
Auf der Insel Brac in Kroatien (wo meine Familie herkommt) gibt es ein verlassenes Dorf namens Podhume. Man erzählte meinem Bruder und mir, dass sich einmal im Jahr sämtliche Ex-Bewohner dort treffen, um ihre “Fjera” zu feiern – ein Fest für deren Schutzheiligen, ähnlich einer Kirmes. Unser Entschluss, Podhume zu besuchen, stand also fest. Und es war spannend, weil wir uns irgendwann, als wir von der Hauptstraße runterfuhren, wie in einem Horrorfilm vorkamen. Es schien alles seltsam, die “Straße” war kaum befahrbar, wir hatten keinen Handyempfang und dass uns ein grimmiger Mann mitten in der Pampa entgegenfuhr, machte die Sache nicht gerade besser.  Endlich angekommen, erwartete uns tatsächlich ein komplett verlassenes Ruinen-Dorf, mitten in den Tiefen der Insel, wo sich eigentlich fast keiner verirren konnte und wo es schlichtweg einfach nirgends weiter ging… Aber… Komplett verlassen?  Wohl doch nicht. Irgendwo kläffte ein angebundener Hund, in einem Zwinger dahinter steckten noch mehr davon und in einem Zimmer einer zweistöckigen Ruine führten Telefon- sowie Stromkabel hin. Und die Tür war abgeschlossen. Aber ansonsten war alles leer. Keine Menschenseele. Aber: mitten im Dorf stand ein niegelnagelneues Lagerhäuschen. Und die Kirche wurde offensichtlich auch gerade renoviert.  Wir blieben nicht lange und waren dann doch recht froh, wieder auf dem unbefahrbaren Weg zu sein, in der Hoffnung, ohne Autoschaden zurückzukehren. Dass plötzlich ein LKW von “hinten” kam, versuchten wir einfach mal zu ignorieren – aber auf dem Rückweg entstand dieses Foto, mit einer unbeschreiblich schönen Aussicht, vielleicht nicht so spektakulär erscheint, für mich aber ein ausreichender Lohn für dieses Abenteuer war.frage_14


15.Welche 3 Seiten besuchst Du regelmäßig?

Es sind zu viele Seiten, die ich zu gerne “lese”, aber RSS-Reader sei Dank ist das ja kein Problem mehr.

16.Mit welcher bekannten Persönlichkeit würdest du gerne einmal Zusammenarbeiten und an welchen Projekt würdest du dann mit dieser Person arbeiten wollen?
Ich glaube, mit Max Miedinger zusammen eine Schrift zu entwickeln, hätte ich ganz helvetastisch gefunden.

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Dieser Artikel wurde von geschrieben.

Gründer & Ideengeber von der Farbwolke. Ist ein Fotograf aus Leipzig. Man kann seine gesammelten Werke auf martin-neuhof.com anschauen. Wer mit dem Autor reden möchte kann auch gerne über Facebook Kontakt aufnehmen.

1 Kommentar:

  • Martin sagt:

    Ein echt tolles Interview, erst recht da ich Rozana seit kurzer Zeit selbst bei Flickr verfolge und bei Twitter sowieso.
    Echt toll mal etwas mehr von Ihr zu erfahren, weiter so.

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