Hochzeiten fotografieren…

Da gab es diesen einen Moment, ich sitze mit der Braut, alleine im Vorbereitungsraum. Ich als fast fremder Mensch und die Braut in ihrem intimsten Moment. Wir reden kurz, ich sprech ihr Mut zu. Vor uns ein Spiegel, sie sitzt auf einen Drehhocker. Sie atmet schwer, noch 5 Minuten, dann wird der zukünftige Ehemann sie das erste Mal im Brautkleid sehen.

Ein Schritt, der Angst macht, ein Schritt, der das Herz hüpfen lässt.Dann fährt ein Auto vor, die beste Freundin schaut aus dem Fenster. Die Gewissheit, die “Männer” sind da. Nun kommt der Brautzeuge des baldigen Ehemannes die Treppe hinauf, er sieht zum ersten Mal die Braut – bei ihm gibt es kaum ein Halten. Jetzt vermischt sich bei mir alles, die eigenen Gedanken, der Job, die Nähe des Brautpaares, die Gedanken an die eigene Freundin.

Es ist eine Ehre, Menschen bei solchen Momenten zu begleiten. Das sind Momente, die mir selbst kurz dem Atem nehmen, in diesem Augenblick, gibt es für mich nur eine Devise: Selbst ruhig bleiben, die Kamera im Anschlag haben, abwarten, abdrücken. Nur so kann ich mir sicher sein, gute Momente abzufassen. Nach einer fotografierten Hochzeit fällt meine innere Abspannung komplett ab.

Hochzeiten in Leipzig fotografieren

Es ist eben nicht nur ein Job, es ist mit das Wichtigste, was ein Fotograf im “Alltag” fotografieren kann. Die Paare überlegen sich Monate im Voraus, wie alles ablaufen soll. Ich hab in dem Moment, wo ich die Ringübergabe fotografiere, eine enorme Verantwortung, versaue ich die Fotos, hat das Paar für ihr ganzes Leben von diesen hoffentlich einzigartigen Augenblick kein Foto. Also sollte man sich der Verantwortung bewusst sein und trotzdem mit genügend Hingabe arbeiten.

 

Vielleicht sollte man als Fotograf auch nicht 30 Hochzeiten im Jahr fotografieren, vielleicht nur 10 oder 15, sonst stumpft man ab, man geht nach seinem eigenen Schema vor, durchbricht es nicht mehr und bleibt stehen. Ja ich weiß, mit Hochzeiten verdient man das meiste Geld, aber nur des Geldes willen Qualitätseinbußen hinnehmen?

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Gründer & Ideengeber von der Farbwolke. Ist ein Fotograf aus Leipzig. Man kann seine gesammelten Werke auf martin-neuhof.com anschauen. Wer mit dem Autor reden möchte kann auch gerne über Facebook Kontakt aufnehmen.

3 Kommentare:

  • Jana sagt:

    Ich fotografiere zwar keine Hochzeiten, aber ich kann mir durch aus vorstellen, dass es zur Fliesbandarbeit abdriften kann. 30 Hochzeiten klingt unglaublich viel. Vor allem, wen man bedenkt, das man “große” Hochzeiten nur an einem WE bewältigen kann, wenn man dort 12h oder mehr dabei ist.
    Doch neben der Quantität frage ich mich auch noch, ob eine Kundenbeziehung da ist. Mag ich das Paar, mag ich wie die die Hochzeit vorbereiten, das Ambiente, ihre Vorstellungen. Nur wenn ich mich als Fotograf 110%ig darauf einlassen kann, werden das Bilder voller Emotionen, die man nicht vergisst.

    Nein, unser Job ist keine Fließbandarbeit, sondern ist ein rein kreativer Beruf mit vielen Emotionen. Daher kann ich dir nur zustimmen, die Hochzeiten zu reduzieren. Das Geld bekommt man das auch über andere, spannende Aufträge herein (außer man ist nur Hochzeitsfotograf). VG Jana

  • Tom sagt:

    Es kann aber auch eine Chance sein.
    Wenn du dein Schema hast bist du erstmal auf der sicheren Seite eine mindest Qualität abzuliefern. Dadurch kannst du aber auch Detail entdecken die dir sonst nicht aufgefallen wären. Und so die kleinen Unterschiede entdecken zwischen den Hochzeiten entdecken die du sonst nicht gefunden hättest. Auch wenn du mal das Gefühl hast abzustumpfen so ist es doch immer nur ein Moment bis wieder etwas neues kommt.

    Wenn es dir aber zur Last fällt, dann lasse es. Am Ende ist es eh deine eigene Entscheidung ob es immer noch Freude ist zu einer Hochzeit zu fahren oder Last.

  • Carsten sagt:

    Hallo Martin,

    ergreifender Artikel mit sehr viel Pathos. In den meisten Dingen stimme ich dir voll und ganz zu. Es ist wirklich wichtig, sich als Fotograf voll und ganz auf die Hochzeit und das Brautpaar einzulassen.

    Wo ich nicht deiner Meinung bin, ist dass der Fotograf durch viele Hochzeiten zwangläufig abstumpft und dadurch schlechtere Bilder abliefert.

    Klar gibt es auf vielen Hochzeiten einen ähnlichen Ablauf und man schießt als Fotograf auch oft ähnliche Motive. Allerdings definiert sich ja auch der Bildstil des Fotografen durch eine gewisse Konsistenz in der Wahl der Brennweiten, Lichtsetzung, Posen, Bearbeitung, usw. .

    Letztendlich wird man vom Brautpaar gebucht, um Bilder in dem Stil zu machen für den man bekannt ist, nicht aber um das eigene Künstler-Ego zu streicheln und jedes mal etwas komplett anderes abzuliefern.

    Liebe Grüße nach Leipzig
    Carsten

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