iPhonography vs. Holgagraphy – André Duhme

Wir möchten mehr Gastartikel und testen jetzt ob evtl. einen weiterer Autor für uns vom Vorteil sein könnte. Da ich André schon lange über Twitter verfolge (und ich ihn hoffentlich bald mal REAL kennenlerne), hab ich ihn einfach mal gefragt ob er einen Test-Gastartikel schreiben möchte. Wie gefällt euch der Artikel? Würde mich sehr über Feedback freuen, los gehts.

Mein erster Gastartikel für die Farbwolke und dazu noch der erste nicht private, mal eben schnell dahin geschriebene Gedankenfetzen. Ich bin André Duhme, Student im kleinen Wernigerode und hungrig auf die Welt. Wenn ich nicht als Mediensöldner, oder Omis Liebling unterwegs bin, fotografiere ich manchmal. Analoges und digitaltes findet ihr auf meinem Fotoblog oder bei Flickr. Ihr könnt mir auch gern auf meiner bunten Reise durch das Universum auf Twitter folgen.

Vor ungefähr zwei Jahren kamen mir das erste mal sehr beeindruckende Fotos einer Holga unter. Holgagraphy war plötzlich in aller Munde und die dort aufgestellten Regeln gefielen mir, deckten sie sich doch mit Gedanken, die ich auf Spaziergängen, Autofahrten und hektischen Wegen zwischen zwei Terminen hatte. Ich bin oft Beobachter. Es gibt schöne, witzige, schreckliche, unangenehme und noch viele andere Momente, die es Wert wären, sie festzuhalten. Einiger dieser besagten Momente bannten Menschen auf dem Planeten plötzlich mit einer billigen Plastikkamera auf teurem 120er Rollfilm. Seit diesem Sommer besitze ich ebenfalls eine Holga. Dieses Szenespielzeug wollte ich mit zum Hurricane Festival nehmen, um meinen Drang nach Fotografie dort befriedigen zu können, ohne Angst um meine teuere digitale Ausrüstung zu haben. Das erste Mal analog, das erste Mal ohne jeglichen Hinweis wie denn Belichtung und Schärfe ausfallen würden. Der Moment, die entwickelten Bilder zusehen, war ein Moment der Überraschung, Freude, Spannung und Enttäuschung. Ich hielt Fotos mit Charakter vor mir. Herrlich unperfekt, Momenten wie aus der Sicht eines anderen, hatte ich doch keine Ahnung, wie Film und Kamera denn zusammenarbeiten würden. Der zweite Einsatz fiel dann schon routinierter aus. Die Kamera war halbwegs verstanden, aber wieder waren die Abzüge eine Überraschung. Für jemanden, der digital angefangen hat, Fotos durch Lightroom und Photoshop zog, war es wie ein Geschenk eines fremden, was der Film da mir in Form von Abzügen offenbarte. So ganz wurde mein ursprünglicher Ansatz jedoch nicht befriedigt. Die Kamera war statt immer, nur selten dabei. Ich überlegte gut, bevor ich eins von zwölf möglichen Bildern eines Films, verschoss. Über Twitter kam dann bald schon die Erleuchtung in Form eines Links. Es gab nun Menschen, die neben ihrer digitalen und analogen Ausrüstung einfach ihr iPhone benutzen. Haptik, Sensor und vor allem Linse sind eher nicht das, was sich jemand wünscht, der einiges an Geld für möglichst scharfe und lichtstarke Optiken ausgegeben hat. Zwei Megapixel gibt es am Ende auf die Festplatte als JPEG. Man kann durchaus Bilder finden, die erstaunen, wenn man über die technischen Vorraussetzungen nachdenkt. Mittlerweile gibt es einige Apps, die dem mobilen Gerät einiges an Möglichkeitengeben. Ich hab „CameraBag“ und „The best Camera“ ausprobiert. Beide sind gute Tools, wenn einem das langweilige zwei Megapixelbild nicht gefällt. Allein Farben und Kontraste sorgen für eine ganz andere Stimmung im Bild. Nicht die Überraschung des Films, schon lange keine Spannung, wie bei einem Abzug, den man nur vorm Bezahlen bei DM an der Kasse betrachtet, aber dafür die Möglichkeit fast immer ein Bild zu machen. Das iPhone ist immer dabei. Don't waste Balloons! Will man den Moment um jeden Preis greifen, behalten und sofort mit jedem Teilen, gibt es im Moment kein besseres Tool für mich. iPhone und Holga haben wir sehr deutlich gezeigt, dass Motiv und Fotograf sehr entscheidend für die Qualität des Fotos. Der Fotograf muss sein Werkzeug kennen, um die Möglichkeiten der Technik wissen und diese genau richtig nutzen, um das Motiv bestmöglich in Szene zu setzen. Hier hilft kein Geld, keine L-Linsen und kein Vollformat. In dem man sich zwingt sich auf neue, oder auch alte, Technologien einzulassen und nutzen zu lernen, sich zu beschränken, die mögliche technische Perfektion mal zur Seite zu legen, erreicht man eine neue Sicht auf die Dinge. Das Verständnis für das Motiv wächst, man öffnet sich dem nicht perfekten, alles bekommt einen spezielleren Charakter und am Ende steht wieder ein kleiner Hauch Erkenntnis.

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Dieser Artikel wurde von geschrieben.

Gründer & Ideengeber von der Farbwolke. Ist ein Twitter-Fan und mag es Fotos zu machen. Man kann seine gesammelten Werke auf martin-neuhof.com anschauen. Wer mit dem Autor reden möchte kann auch gerne über Facebook Kontakt aufnehmen. Gefallen dir diese Beiträge und du möchtest dem Autor vielleicht eine kleine Überraschung machen? Dann schau doch mal bei seinem Amazon.de Wunschzettel vorbei.

2 Kommentare:

  • Christopher sagt:

    Gefällt mir. Aber bitte Korrekturlesen… Die Rechtschreibfehler fallen auf. ;)

  • Kagamiyama sagt:

    Auch ich verfolge Andrés Fotostream schon eine ganze Weile und möchte ihm hier ein wenig widersprechen.

    Das Immer-dabei-Argument zieht nicht! ;-) Natürlich ist eine Holga von den Abmessungen her kein Hosentaschenschmeichler, aber es gibt ja noch kleinere analoge Alternativen für die verschiedensten Filmformate. Seien es Golden Half und Diana Mini für das Halbformat (135er und bis zu 72 Aufnahmen) oder gebrauchte Pocketkameras wie die Pentax auto 110 oder eine Agfamatic oder auch die kleine und feine Starflex für 127er Rollfilme. Nicht zu vergessen meine Beirette! Außerdem tragen seit Jahren auch wieder viele Männer eine Umhängetasche mit sich herum.

    Das nur als kleinster Seitenhieb. Wenn man es so sieht, dass es am Ende gescannte Dateien sind, die am Rechner bestaunt werden, könnte man schwach werden und der Duhme’schen These zustimmen. Doch so gerne möchte ich das nicht tun und nicht alleine darum, weil es im Androidmarket nicht annährend so viele feine Apps gibt, wie für das iPhone.

    Obwohl ich selbst einige DSLR habe, komme ich immer wieder zurück auf die analogen Knipsen und Kameras. Für mich ist es ein so großer Unterschied, ob ich auf mein Telefon starre oder den Sucher (am besten noch Lichtschachtsucher) benutze. Die Haptik einer Holga oder einer Starflex, das Einlegen eines Rollfilms, das gehört für mich alles dazu. Und den Auslöseklang meiner Zenit kann kein Chip glaubwürdig reproduzieren.

    Im Fazit sind der Autor und ich uns derweil ausgesprochen einig: wer keinen Blick für das Abzubildende hat, der macht auch mit einer Leica S2 belanglose Bilder.

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