Zwischen Zwei Welten…

Vor 72 Stunden habe ich noch mit Waisenkindern in Uganda gespielt, heute sitze ich wieder im Arbeitszimmer und arbeite an Fotos, Hochzeitaufträgen und Porträts. Sobald mein Kopf für ein paar Minuten ruhe findet, begibt er sich zurück nach Afrika. Die Gedanken kreisen umher, gerade nach der Nachricht das Entebbe derzeit kein Wasser hat, schockiert mich im Nachhinein sehr. Da Wasser, die einzige konstante war, auf die man sich in den letzten 14 Tagen verlassen konnte. Aber was machen die Kinder, die wir dort hinterlassen haben? Denken sie noch an einen oder ist es wie so oft: “Aus den Augen aus dem Sinn?”

Gestern wollte ich in die benachbarte Stadt über die Autobahn fahren, die Auffahrt war gesperrt, ich fluchte im Auto und einen kurzen Moment später dachte ich mir: “Es kann doch nicht sein, da bist du 2 Tage in Deutschland und schon regst du dich wieder nur über alles auf…” So ist es eben, alles geht viel zu schnell. Eben noch den afrikanischen Matsch am Schuhwerk und 9 Flugstunden später schließt du einen neuen Handyvertrag ab. Es ist schwer klarzukommen, weil man das Gesehene noch lange nicht verarbeitet hat und dieser Prozess erst einmal einsetzen muss. Dann noch diese eigene Angst, die Erlebnisse viel zu schnell zu vergessen, die Angst vor dem erblassen der Gedanken. Schwer zu beschreiben. Am liebsten würde ich die eigene Seele vom Stand 4. November 2012 in einem Glas konservieren und immer rausholen, sobald ich mich über die kleinen Sorgen des Alltags aufrege.

Nun gilt es sich, wieder zu fixieren. Hier in Deutschland die Projekte, die man in Uganda fest im Kopf hatte, auch umzusetzen. Dabei sieht man den eigenen Terminkalender und schüttelt ständig mit dem Kopf … Wie soll das alles in der kurzen Zeit machbar sein? Irgendwie wird es gehen, es geht immer, man muss es nur durchziehen.

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Ein paar Tage Entebbe, Uganda…

Es ist schwer seine Gedanken in Worte zu fassen. Jeden Tag passiert so viel, man gewöhnt sich so schnell an alles. Abends ist der Strom fast immer weg, die Generatoren machen einen enormen Krach. Gerade sitze ich in einem dunklen Aufenthaltsraum, nur der Laptop scheint, alles andere ist dunkel. Es ist so widersprüchlich, mit einem USB-Stick könnte ich jetzt sogar ins Internet, obwohl ganz Entebbe (mein derzeitiger Aufenthaltsort) kein Strom hat.

Diese Gegensätze sind es, die ich mit dieser Reise gesucht habe. Wir gehen alle 2 Tage in die “early learning school” Eine Schule, wo hauptsächlich Waisen Unterricht werden, ich wohne derzeit in einem Waisenhaus. Hier gibt es Menschen, die sich kümmern, die ihr halbes Leben aufgeben, um hier helfen zu können, oder probieren hier ein Waisen zu adoptieren. Auf einmal fühlt man sich in seiner eigenen kleinen Fotografenwelt, lächerlich.

Was ändert schon ein Foto? Wenn hier Leute über Jahre hinweg, was aufbauen. Ich bin nicht der erste Fotograf, der nach Afrika reist, ich weiß nicht, ob das was ich mir eingebildet hab, überhaupt stimmt. ”Wenn du einmal nach Afrika reist, Martin, dann mach auch was vernünftiges …” Ist es wirklich vernünftig, Waisenkinder beim Spielen, essen oder beten zu fotografieren? Ist es nicht vielleicht besser, sich mit diesen Kids hinzusetzen und mit ihnen ein Buch zu lesen? Die Kinder, die ich bisher getroffen habe, sind extrem realistisch, sie wissen, dass sie wohl niemals ein anderes Land als ihr eigenes sehen werden…

Heute hab ich ein 15 Jähriges Mädel (schätzt man so, die Waisen wissen oft ihr eigenes Alter nicht…) gefragt, was sie als Erstes machen würde, wenn sie in Deutschland wäre… Ihre Antwort: Ich würde meine Hand in den Schnee stecken und diesen Schnee essen.

Verdammt, sollten wir glücklich sein über das, was wir alles haben…

Neue Fotos von meiner Uganda-Reise gibt es auf Facebook. 

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