Ein paar Tage Entebbe, Uganda…

Es ist schwer seine Gedanken in Worte zu fassen. Jeden Tag passiert so viel, man gewöhnt sich so schnell an alles. Abends ist der Strom fast immer weg, die Generatoren machen einen enormen Krach. Gerade sitze ich in einem dunklen Aufenthaltsraum, nur der Laptop scheint, alles andere ist dunkel. Es ist so widersprüchlich, mit einem USB-Stick könnte ich jetzt sogar ins Internet, obwohl ganz Entebbe (mein derzeitiger Aufenthaltsort) kein Strom hat.

Diese Gegensätze sind es, die ich mit dieser Reise gesucht habe. Wir gehen alle 2 Tage in die “early learning school” Eine Schule, wo hauptsächlich Waisen Unterricht werden, ich wohne derzeit in einem Waisenhaus. Hier gibt es Menschen, die sich kümmern, die ihr halbes Leben aufgeben, um hier helfen zu können, oder probieren hier ein Waisen zu adoptieren. Auf einmal fühlt man sich in seiner eigenen kleinen Fotografenwelt, lächerlich.

Was ändert schon ein Foto? Wenn hier Leute über Jahre hinweg, was aufbauen. Ich bin nicht der erste Fotograf, der nach Afrika reist, ich weiß nicht, ob das was ich mir eingebildet hab, überhaupt stimmt. ”Wenn du einmal nach Afrika reist, Martin, dann mach auch was vernünftiges …” Ist es wirklich vernünftig, Waisenkinder beim Spielen, essen oder beten zu fotografieren? Ist es nicht vielleicht besser, sich mit diesen Kids hinzusetzen und mit ihnen ein Buch zu lesen? Die Kinder, die ich bisher getroffen habe, sind extrem realistisch, sie wissen, dass sie wohl niemals ein anderes Land als ihr eigenes sehen werden…

Heute hab ich ein 15 Jähriges Mädel (schätzt man so, die Waisen wissen oft ihr eigenes Alter nicht…) gefragt, was sie als Erstes machen würde, wenn sie in Deutschland wäre… Ihre Antwort: Ich würde meine Hand in den Schnee stecken und diesen Schnee essen.

Verdammt, sollten wir glücklich sein über das, was wir alles haben…

Neue Fotos von meiner Uganda-Reise gibt es auf Facebook. 

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Hochzeiten fotografieren…

Da gab es diesen einen Moment, ich sitze mit der Braut, alleine im Vorbereitungsraum. Ich als fast fremder Mensch und die Braut in ihrem intimsten Moment. Wir reden kurz, ich sprech ihr Mut zu. Vor uns ein Spiegel, sie sitzt auf einen Drehhocker. Sie atmet schwer, noch 5 Minuten, dann wird der zukünftige Ehemann sie das erste Mal im Brautkleid sehen.

Ein Schritt, der Angst macht, ein Schritt, der das Herz hüpfen lässt.Dann fährt ein Auto vor, die beste Freundin schaut aus dem Fenster. Die Gewissheit, die “Männer” sind da. Nun kommt der Brautzeuge des baldigen Ehemannes die Treppe hinauf, er sieht zum ersten Mal die Braut – bei ihm gibt es kaum ein Halten. Jetzt vermischt sich bei mir alles, die eigenen Gedanken, der Job, die Nähe des Brautpaares, die Gedanken an die eigene Freundin.

Es ist eine Ehre, Menschen bei solchen Momenten zu begleiten. Das sind Momente, die mir selbst kurz dem Atem nehmen, in diesem Augenblick, gibt es für mich nur eine Devise: Selbst ruhig bleiben, die Kamera im Anschlag haben, abwarten, abdrücken. Nur so kann ich mir sicher sein, gute Momente abzufassen. Nach einer fotografierten Hochzeit fällt meine innere Abspannung komplett ab.

Hochzeiten in Leipzig fotografieren

Es ist eben nicht nur ein Job, es ist mit das Wichtigste, was ein Fotograf im “Alltag” fotografieren kann. Die Paare überlegen sich Monate im Voraus, wie alles ablaufen soll. Ich hab in dem Moment, wo ich die Ringübergabe fotografiere, eine enorme Verantwortung, versaue ich die Fotos, hat das Paar für ihr ganzes Leben von diesen hoffentlich einzigartigen Augenblick kein Foto. Also sollte man sich der Verantwortung bewusst sein und trotzdem mit genügend Hingabe arbeiten.

 

Vielleicht sollte man als Fotograf auch nicht 30 Hochzeiten im Jahr fotografieren, vielleicht nur 10 oder 15, sonst stumpft man ab, man geht nach seinem eigenen Schema vor, durchbricht es nicht mehr und bleibt stehen. Ja ich weiß, mit Hochzeiten verdient man das meiste Geld, aber nur des Geldes willen Qualitätseinbußen hinnehmen?

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LE.View Mit Tom Thiele

LE.View ist eine Interviewreihe aus der Stadt Leipzig. Ich möchte euch in unregelmäßigen Abständen Menschen aus meiner Heimatstadt Leipzig vorstellen, die für mich kreativ und interessant erscheinen. Tom beobachte ich schon Jahre.  Er hat ein unheimlich gutes Auge für Farbkombinationen und er schafft es durch digitale Bildbearbeitung die Bilder sehr Wertvoll erscheinen zu lassen. Klasse Fotograf, genialer Bildbearbeiter.

Hey Tom, stell Dich doch bitte kurz vor.
Hallo, mein Name ist Tom Thiele, ich bin aktuell 24Jahre jung, bin vom ersten Tage an Leipziger und lebe bis heute auch in der  Stadt. Eine meiner größten Lieblingsbeschäftigung ist die künstlerische Fotografie. Diese übe ich gleichzeitig auf Hobbybasis sowie auch beruflich aus.
Was begeistert Dich zur Zeit? (Musik/Ausstellung/Buch/…)
Begeistern tut mich wie immer und jeden Tag, viel Musik, komplett quer Beet und immer stimmig zu dem jeweiligen Foto was gerade in meiner Schmiede liegt. Seit einiger Zeit aber konzentriere ich mich aber auch darauf, meine Stadt und allgemein mein Umfeld in dem ich mich täglich bewege mit meinen eigenen Augen und in meinen ganz eigenen Stil von Moment zu Moment festzuhalten und zu versuchen, die Straßen und Orte die man täglich so passiert,  ob bewusst oder unbewusst, ob regelmäßig oder unregelmäßig,  von einer anderen und neuen Seite zu zeigen. Diese Fotos und Momente tragen alle samt die Überschrift „Leipzig, Stadt und Heimat“.

Seit wann fotografierst du? Wie bist du zur Fotografie gekommen?
Fotografieren tue ich seit ca. 2006. Angefangen hat das ganze eher durch Zufall. Als ich in meinen alten Beruf wieder mal eine Arbeitsmaßnahme für das Berichtsheft mit einer einfachen Digitalkamera mit stolzen 3 Megapixeln festhalten musste  und ich dann mehr und mehr durch viel unproduktiver Spielerei merkte, das man doch mit dem richtigen Feingefühl  und mit einfachen Mitteln schöne Sachen entstehen lassen kann. Das haben dann einige Freunde und deren Freunde ebenso gesehen und ich durfte sie mal rein aus der Freude heraus Portraitiren und so nahm dann das ganze seinen Lauf.

Du scheinst deine Bilder ja öfters zu bearbeiten, was für Software benutzt du und wie würdest du deinen eigenen Stil beschreiben?
Ich selber nutze stets Adobe Photoshop um meinen Bildern die künstlerische Note zu verpassen.  Viele sagen zu mir immer gern: „der Tom mit dem Kinoplakatstyle“. Ich selber schaue gern und oft gut gemachte Filme mit emotionalen und gewaltigen Bildern sowie mit dazu passender Musik mit viel Einfühlungsvermögen. Was sich dann wohl gewollt oder ungewollt doch schon etwas auf meine Fotos abzeichnet und ähnlich versuche ich dadurch dann immer meine Bilder entsprechend wirken zu lassen. Dynamisch, authentisch mit möglichst viel  Emotionen, mit einen ganz bestimmten Charakter aber dennoch ungezwungen und alles auf einer natürlichen Ausgangsbasis. Mir ist wichtig dass sich die Menschen auf ihren von mir erstellten Fotos zwar in einem anderen und neuen Licht sehen, allerdings sich auch sofort wiedererkennen.

Wir haben eine Kategorie mit dem Namen „Inspiration finden“  auf Farbwolke, aus was ziehst du deine Inspiration?
Wie schon in der letzten Frage angesprochen, kommt ein Großteil meiner Inspiration aus Kinofilmen. Aber eben auch aus Musik, selbsterlebten Lebensereignissen und was mir sonst so nachts beim schlafen eben einfällt ;)

Welche Fotografie-Webseiten kannst du unseren Lesern empfehlen?
Puh, da gibt es hunderte. Ich betrachte es mal praktisch und empfehle die durchaus sehr bekannte und von vielen geschätzte Fotocommunity (http://www.fotocommunity.de/). Dort hat man jede Art von Fotografen mit ihren unterschiedlichsten Stilen in einem Topf und man kann zudem auch über direkte Kontaktaufnahme mit dem Fotografen etwas über die Hintergründe des jeweiligen Fotos erfahren. Zudem kann man in regelmäßigen Fotowettbewerben auch sein können gezielt unter Beweis stellen.

Wenn du Fotos machst, auf was achtest du? Dein inneres Gefühl oder ob technisches alles Perfekt ist?
Eigentlich irgendwie auf beides. Denn ich möchte Fotos machen mit möglichst viel Gefühl aber in einer sehr guten Qualität. Aber, was technisch perfekt und nicht perfekt ist und ob etwas viel Gefühl oder weniger Gefühl aufweist, liegt immer wieder im Auge des Betrachters. Daher achte ich in erster Linie immer darauf, dass ich selber mit dem Foto in erster Linie glücklich bin. Denn dann sind es oft die anderen auch.

Was verbindest du mit Leipzig und wie würdest du die Fotografie-Szene in deiner Stadt beschreiben?
Ich verbinde ziemlich viel mit Leipzig, da ich hier aufgewachsen bin und hier auch viel erlebt habe. An vielen Orten dieser Stadt kommen einen immer wieder persönliche Erinnerungen entgegen, die bis dato sonst stets im Tiefschlaf lagen und schon allein deswegen wird für mich Leipzig auch immer unvergleichlich bleiben.
Die Fotografie-Szene hier direkt in Leipzig würde ich als eine Art Gemeinde betrachten. Sicher nicht die größte im Vergleich zu anderen Städten, aber jeder kennt sich meist irgendwie über zwei oder auch über fünf Ecken. Die „Szene“ betrachte ich als eine, die stets im wachsen ist und eine,  die viele verschiedene Facetten aufweist. Mit manchen Mitgliedern die ihren ganz eigenen Kopf haben, somit  Gedanken und Gefühle über diesen Weg zum Ausdruck bringen wollen und manche die ihre eigenen Vorbilder mit ihren eigenen Augen erneut fotografisch aufleben lassen.

Mit welchem Künstler würdest du gerne einmal Zusammenarbeiten und an welchen Projekt würdest du dann mit dieser Person arbeiten wollen?
Eine gute Frage, aber da gibt es jetzt keinen bestimmten Fotografen wo ich jetzt mal unbedingt dabei sein Möchte. Denn es gibt viele sehr gute Fotografen und irgendwo haben alle ihre Stärken wo man sich durchaus auch mal ein „Scheibschen“ abschneiden kann. Ich würde sagen, das Interesse besteht mehr allgemein bei anderen Fotografen einfach mal so über die Schulter zu schauen oder was zusammen zu machen. Ich stell es mir als Interessant vor mal einen Einblick zu bekommen wie es denn der „andere“ umsetzt und zumal ist es auch ohne Frage recht lehrreich.

Hast du dich auf einen Style festgelegt? Würdest du sagen du bist ein Portrait-Fotograf oder begrenzt du dich nicht?
Vom Stil her habe ich mich sicher schon etwas festgelegt, aber mehr von der Art zu fotografieren und zu bearbeiten. Ansonsten würde ich mich z.B. weder als Portrait-Fotograf betrachten, noch als Landschaftfotograf o.ä. Eher einfach als Fotokünstler.

Was ist dir wichtiger, ein schönes Online-Portfolio oder eine Foto-Serie?
Mir ist persönlich ein Online-Portfolio wichtiger. Man bekommt einen Gesamteinblick von dem was man macht und  man kann dann auch einen Fotografen besser einschätzen. Zudem ist es für alle einsehbar und du kannst gleichzeitig sehr viele Menschen damit erreichen.

Was möchtest du Fotografisch noch erreichen? Welche Ziele hast du?
Ein genaues Ziel innerhalb eines bestimmten Zeitfensters habe ich so direkt nicht. Alles kommt, wenn es denn kommen soll mit der Zeit! Mein Ziel ist, es gut zu machen. So gut wie es geht und wie es eben in meinen Fähigkeiten liegt. Das Beste aus dem allen zu machen und dann die entsprechende Anerkennung zu bekommen, die ja bekanntermaßen auch die beste Motivation ist. Eben etwas zu schaffen, mit dem man sich ganz persönlich auszeichnen kann.
In diesem Sinne, 1000Dank für all die Unterstützung aller mir geschätzten „Unterstützer“ :)

Web und Contact:
www.facebook.com/theartoftheidea
www.north-pictures.com

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Montagsdemos in Leipzig 1989 / Wendezeit

Andreas Krüger aus Leipzig, war so nett und hat bei Flickr ein Set über die Wendezeit (89/90) in Leipzig hochgeladen. Andreas kenne ich schon etwas länger, für mich kommen diese Bilder so weit entfernt vor. Ich selbst war zur Wende Zeit gerade einmal 5-6 Jahre alt, bin aber immer wieder sprachlos wenn ich solche Fotos sehe. Gerade weil es in der damaligen DDR eben nicht selbstverständlich war zu fotografieren. Wer fotografiert – war Stasi!

Montagsdemo Leipzig 8. Januar 1990 Montagsdemo Leipzig 8. Januar 1990 Montagsdemo Leipzig 8. Januar 1990 Montagsdemo Leipzig 8. Januar 1990 Montagsdemo Leipzig 8. Januar 1990 Montagsdemo Leipzig 8. Januar 1990 Montagsdemo Leipzig 8. Januar 1990

Andreas hat mit dieser Bilderserie einen wahren Schatz geschaffen. Schaut euch sein Flickr Set komplett an. Es lohnt sich!

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Urban Explorer – Fotografen der Ruinen

Ein kleiner Bericht über das fotografieren in Ruinen am Beispiel des Heinrich Heine Hotel im Ostharz. Ich selbst steige ja öfters in solche Ruinen ein. Der Charme und die Wirkung der verlassenen Gebäude haben etwas magisches. Die Zeit scheint still zu stehen.

(via Google Sparks)

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Im Chat mit Stilpirat

Hey Steffen, was gab es heute zum Mittag bei dir?
Fisch Galore! Meine Frau macht gerade so ne Diät mit leckerem Essen… ich profitiere also in mehrfacher Hinsicht…

Wie bist du eigentlich zur fotografie gekommen?
Mein Vater ist Fotograf. Sagen wir es mal so: Es ergab sich!
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Was machst du derzeit beruflich?

Noch vor einem Jahr hätte ich Dir ne Latte Skills um die Ohren gehauen. Heute kann ich mit einem Wort antworten: Fotograf.
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Was ist passiert? Was hat dich zu dieser Veränderung bewogen?
Ich hab 15 Jahre im Grafik- und Webdesignbereich gearbeitet… Ein Stück weit bin ich sicherlich “ausgebrannt”. Meine Toleranz sank mit jedem Job. Ich hatte keine Lust mehr, schwafelige Briefings von Wäregern-Grafikern zu bekommen und am Ende der Gestaltungs-Sklave zu sein. Nach so langer Zeit entwickelst Du ein Gefühl dafür, wie Gestaltungselemente platziert werden. Der Kunde jedoch will permanent sein Logo größer und verliert die Botschaft komplett aus den Augen. Dabei sind die meisten Kunden komplett “beratungsresistent”,. Ich kam mir immer vor wie auf dem Schlachtfeld: Ein paar Winkelzüge hier – einen Haken da – etwas Schach dort. Am Ende ist das Ergebnis oft ein einziger Kompromiss von beiden Seiten… und das sieht man dem Ergebnis dann auch an. Die meisten meiner “Wow”-Arbeiten sind komplett ohne zu tun des Kunden entstanden… Ein Foto hingegen ist gemacht. Ende der Geschichte!
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Wie schwer ist dir dieser Schritt gefallen? Was für ein Risiko bist du dabei eingangen? Gerade auch finanziell? Ist jetzt eine Last von dir abgefallen?
Es gehört sicherlich Mut dazu, dass Ruder komplett herumzureissen. Fotografiert hab ich ja schon immer… nur eben nicht als Haupterwerb. Ich hab in den Weihnachtsferien letzten Jahres einfach mal eine Business-Seite als Fotograf (www.heidefotograf.de) ins Netz gestellt und eine Google Adword Kampagne geschaltet. Ich hatte gleich in der ersten Woche 4 Anfragen… Insofern bin ich relativ weich gefallen…  Den schönsten Moment hatte ich übrigens in diesem Jahr als ich einen Supergroßen und lukrativen Job für einen namhaften Kunden abgelehnt habe. Ich fühlte mich plötzlich so verdammt frei…
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Auf was in der Fotografie hast du dich spezialisiert? Was fotografierst du am liebsten?
Die Arbeit als Hochzeitsfotograf hat sich relativ schnell von selbst “spezialisiert”. Hier bin ich eigentlich fast jedes Wochenende unterwegs. Einfach weil es sich so ergab und hier die meisten Anfragen kamen. Mittlerweile mache ich das total gern. Am Liebsten ganze Hochzeitsreportagen. Ich begleite die Paare vom morgendlichen Aufstehen bis tief in die Nacht. Diese Art des Storytelling ist megaspannend! Du lernst einen Haufen netter Leute kennen und kriegst ne Menge Geschichten mit…  Und es schult das eigene Auge ungemein!
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Hast du eigene Regeln die du während so eines anstrengenden Tages verfolgst? Kann mir gut vorstellen das man auch vor Langweile vom Stuhl kippen kann.
Langeweile? Du hast sowas noch nie gemacht oder? Du bist 14 Stunden komplett unter Strom! So eine Hochzeit ist komplett durchgeplant meist Monate und Jahre im voraus. Dir knallen die Events an solch einem Tag nur so um die Ohren. Du bist froh, wenn mal 10 Minuten nichts passiert, daß Du mal auf´s Klo kommst…
svenwiesner
Vielleicht ist Langeweile falsch ausgedrückt. Meinte eher Regeln ala “ich fasse gar keinen Alkohol” an. Gibt es Fettnäpfchen in die du schon getreten bist?
Alkohol verbietet sich von selbst. Fettnäpfchen lagen auch noch nicht im Weg. Ich hab meinen Tag eigentlich genauso minutiös geplant wie das Brautpaar. Ich schreibe mir im Vorgespräch den Ablauf genauestens auf und nutze jede freie Minute mit der Vorbereitung auf den nächsten Programmpunkt. Ich reise mittlerweile auch schon mit allerhand Geraffel, den ich ohne Assistenz teilweise gar nicht mehr wuppen könnte.hochzeit-hamburg
Stehst du lieber komplett unter Strom oder lässt du dir am liebsten für ein Motiv länger Zeit?
Ich stehe am Liebsten komplett unter Strom. Das hält wach und schärft die Sinne. Für ein Motiv nehme ich mir eigentlich gar keine Zeit… ich sammle Momente ein… die sind so schnell vorbei…
oliverwnuk
Also lässt du es auch lieber laufen?
Ja absolut! Hin- und wieder hab ich zwar auch mal Gelegenheit zu inszenieren, was auch tierisch Spaß macht. Allerdings ist in dieser Situation ein völlig anderes Ziel im Fokus. Bei Hochzeiten kannst Du beim Brautpaarshooting manchmal ein bisschen inszenieren. Aber nur bis zu einem gewissen Maß… Du hast in der Regel ja auch nur eine halbe Stunde… Portraet-Foto-schwarz-weiss

Du hast zur WM ein Fotoprojekt mit dem Namen “Schlaaand.net” vorgestellt. Wie ist die Resonanz? Bist du zufrieden?
Ja sehr! Ich hätte nie im Traum daran gedacht, daß das Projekt so einen Haufen Arbeit macht! Jeden Tag die Einsendung posten und Texte dazu schreiben, alle Fotos und Texte so sichern, dass man sie wiederfindet… Und am Ende das Fotobuch gestalten… Hat auch noch mal einen ganzen Tag verschlungen. Aber es ist supergeil geworden! Neulich war ich auf einer Werkschau von Paul Ripke als ein mir unbekannter Typ vor mir steht und mich ganz aufgeregt mit Namen begrüsst… Es war der Gewinner des Schlaaand-Wettbewerbs, der sich tausendmal bedankt hat! Nette Begegnung!
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Planst du weitere Projekte  dieser Art? in welche Richtung soll sich dein Blog stilpirat.de entwickeln?
Klar! Sobald mir wieder eine spinnerte Idee kommt, leg ich wieder los! Mein Stilpir.at Blog ist hierfür genau die richtige Plattform. Die Portfolio Seite www.Stilpirat.de will ich trotzdem weiterführen. Allerdings nur noch als Fotograf. Ich hab so eine 2-Marken Strategie: Die Heidefotograf.de ist meine Plattform für das Alltagsgeschäft. Die Stilpirat.de soll vor allem an jene fotografisch interessierte gerichtet sein, bei denen es gern auch mal ein wenig punkig zugehen darf.

Wenn du die Wahl hättest: Welche berühmten Persönlichkeit würdest du gerne ein mal ablichten? Und bei was?
Auch wenn es Dich enttäuscht: Berühmte Persönlichkeiten sind mir komplett schnuppe! ich würde lieber die unbekannte Oma aus dem dritten Stock porträtieren, oder jemand Fremdes spontan auf der Straße.

Und mit jemanden bekannten zusammenarbeiten? Inspiriert dich ein anderer Fotograf / Künstler?
Oh ja! Ich würd gern mal für ne Zeit beim Duckduck Collective(http://duckduckcollective.com/blog/) unterkommen oder bei Paul Ripke (http://www.paulripke.de/) – ich wollte mich immer mal bei seiner Aktion “Assi für einen Tag” bewerben…

Ich wurde im Gegenzug auch von Steffen interviewt – könnt ihr gerne hier lesen.

Steffen im Web:

-> stilpir.at Weblog
-> stilpirat.de
-> Heidefotograf.de
-> Flickr Stream
-> Twitter

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Gedanken-Wolke mit Ken Knoll (Younghill)

Ken habe ich durch die Arbeit als Jury-Mitglied des “Schlaands Fotowettbewerbs” entdeckt. Dabei hab ich mir sein Portfolio und seine Fotos einmal näher betrachtet. Dabei kam mir die Idee zu diesen Interview.

1. Stell Dich doch bitte kurz vor.
warnemuendeHallo zusammen! Ich heiße Ken Knoll, bin mit Leib und Seele Fotografie-Begeisterter und Student (dieser Leidenschaft gehe ich in Darmstadt nach). Ich fotografiere schwerpunktmäßig Menschen, lege mich aber ungerne darauf fest. Ich schieße, was mir kurios oder "besonders" erscheint.

Seit nicht allzu langer Zeit habe ich angefangen, auf meinem Blog über meine Bilder zu erzählen und freue mich über den Austausch, der so zustande kommt.

2. Was begeistert Dich zur Zeit?

Da gibt es zum Beispiel Markus Schwarze (day.fotowusel.de), der in Hamburg tolle Bilder von Passanten macht. Er ist eine Rieseninspiration und hat mir überhaupt den Mut gegeben, einfach mal irgendwelche Leute für Straßenportraits anzusprechen. Meine noch recht neue große Leidenschaft gilt strobist.blogspot.com. Ich habe früher fast ausschließlich natural-light fotografiert und tauche dank David Hobby, der eine unglaublich interessante und lesenswerte Seite unterhält, immer tiefer in die Welt der "Strobisten" ab. Ansonsten lese ich zur Zeit begeistert Bücher von Joe McNally (The Moment it  Clicks) und Michael Grecco (Lighting and the Dramatic Portrait). Von diesen Büchern lerne ich, dass ein gutes Foto zwar oft auch eine Glückskomponente beinhalten kann, aber meist das Ergebnis einer sehr guten Vorbereitung ist.

3. Laut deinem Blog fotografierst du viele WM-Fans, hat dir die 
Weltmeisterschaft bisher gut gefallen? Für welches Team bist du? Und  was reizt dich diese Fans zu fotografieren?
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Die Weltmeisterschaft scheint sich wieder zu einem Sommermärchen zu entwickeln! Ich habe großes Spaß, dem deutschen Team beim schönen Spiel zuzusehen und genieße die gelöste Stimmung bei uns in der Stadt. Die Fans sind ausgelassen, fröhlich und strahlen von innen heraus. Diese Zutaten alleine machen für mich schon die halbe Miete für ein gutes Foto aus – ich muss eigentlich nur noch draufhalten und abdrücken. Die Bilder sollen ein Dokument für diese wahnsinnig tolle Stimmung sein und der Welt zeigen, wie in Deut schland gefeiert wird.

Insbesondere finde ich den Aspekt der Diversität interessant: Ich wohne in einer Studentenstadt, es gibt Menschen in allen Farben und Formen – und dennoch tragen die meisten ein Deutschland-Trikot, haben eine Deutschland-Flagge umhängen oder ins Gesicht gemalt… Fußball verbindet die Menschen, und das finde ich toll!

4. Du führst deine Webseite auf Englisch. Gibt es dafür einen speziellen Grund oder magst du es einfach nur ein wenig Internationaler gestalten?image006

Ich lese sehr viel in englischsprachigen Blogs und Büchern und denke in vielen Situationen tatsächlich intuitiv an die englischen Begriffe des Fotografierens. Dazu habe ich einige Freunde auf der ganzen Welt und hatte diese Seite ursprünglich als Foto-Zeig-Seite für meine Freunde gedacht. Das ganze ist dann natürlich etwas darüber hinaus gewachsen, weil ich die Fotos auch anderen zeigen und die Geschichten hinter meinen Bildern erzählen wollte. Ich finde die Entstehungsgeschichten hinter Fotos unglaublich spannend – und meine eigenen Geschichten zu erzählen, hilft mir auch, etwas darüber zu reflektieren – und es für später mal festzuhalten.
 
5. Wie empfindest du die gesamte fotografische Entwicklung von Digital  zu Analog, wärst du ohne die digitale Technologie überhaupt zur Fotografie gekommen?

Ich habe wie so viele mit der alten Spiegelreflex meines Vaters angefangen, einer Asahi Pentax. Ich habe etwas über Blende, Brennweite, Belichtung und Filme gelernt – aber als armer Student nie wirklich das Geld gehabt, die Fotos im großen Umfang zu verballern, was aber nötig ist, wenn man besser werden will. Daher ist sehr schnell der Wunsch nach etwas digitalem gereift – ich habe aber nie eine "Knipse" besessen, sondern habe direkt mein Geld zusammengekratzt und mir eine gebrauchte EOS 300D gekauft. Diese Entscheidung war die beste, die ich je getroffen habe! Die digitale Fotografie ist eine riesige Spielwiese, ich habe lange bevor ich selbst fotografiert habe schon in Photoshop rumgebastelt und konnte so meine Interessen verbinden. Momenten ist ja der Retro-Analog-Look sehr gefragt und jedes alte, analoge, körnige Bild wird sehr gelobt – ein bisschen Nostalgie ist auch was schönes, ich "entwickle" meine Bilder auch ganz gerne mal etwas "cross" – und mit den digitalen Daten ist das eben sehr einfach.

6. Wir haben eine Kategorie mit dem Namen „Inspiration finden“  auf  Farbwolke, aus was ziehst du deine Inspiration?

Ich habe ja oben die Bücher und Blogs erwähnt – da kommen die meisten meiner Ideen her. Ansonsten browse ich eigentlich täglich durch VIEW (und hatte mich riesig gefreut, dass mich die Jungs dort gefeatured hatten) und sammle teilweise sehr konkret Inspirationen für geplante Shootings. Die Bilder schmeiße ich in einen Inspirations-Stream, das geht mit Snipi (dringend mal angucken) mit einem Klick. Seiten wie farbwolke sind für mich Schatzkisten, auf denen ich tagelang rumbrowsen könnte. Seltsamerweise ist meine Online-Aktivität eigentlich erst später erwacht, ich habe relativ isoliert angefangen zu fotografieren und stelle heute rückblickend fest, dass ich früher die gleichen "Fehler" wie die meisten Anfänger gemacht habe – und das ist wohl auch gut so! Auch ich bin einst in das HDR-Loch gefallen…

;)

7. Mit was für Equipment fotografierst du?image006 (1)

Früher hätte ich mich wohl ausschließlich als Available-Light-Photographer bezeichnet. Heute eher als Low-Budget-Photographer. Ich habe die die meisten meiner Fotos mit besagter 300D gemacht und bin seit neuestem stolzer Besitzer einer alten 5D. Ich habe schon recht früh von dieser Kamera geträumt und bin nun sehr glücklich mit dem schönen Stück. Ich habe im Prinzip keine tollen Linsen, abgesehen von meiner 50 f/1,8, die ich sehr liebe. Ich habe früher einfach mal blind "hauptsache Brennweite" irgendwelche sogenannten Flaschenböden gekauft (wie das 35-135 f/4-5.6), die nicht toll sind, aber die ich nunmal benutze, solange ich mir keine besseren Gläser mit rotem Ring leisten kann. Ansonsten bin ich überzeugter Selbstbastler: Mein neues Strobist-Hobby hat mich zumindest dazu geformt. Eine selbstgenähte Schirm-Softbox, drei umgebaute alte Aufsteckblitze von Metz und Minolta, ein paar Ebay-Fernzünder und jede Menge Krimskrams wie Farbfolien, Reflektoren, Klammern, Schirmneiger… es nimmt immer weiter zu.

8. Was würdest du als einer deiner besten Arbeiten bezeichnen?

Ich glaube, das ist aus der eigenen Sicht immer sehr schwierig zu beurteilen. Meine Bilder beinhalten immer auch eine emotionale Komponente, die mich in die Situation zurücktransportiert. Daher habe ich zum Beispiel eine innige Verbindung zu dem Kornfeld-Foto, das die Erinnerung an einen wunderschönen Urlaub auf Usedom wachruft. Oder das Auto, das ich auf einem Roadtrip in den USA irgendwo in der Wüste Arizonas mitten in der Nacht fotografiert habe. Das gleiche gilt für die Lombard Street in San Francisco oder die freundliche alte Frau aus Argentinien. Meine aktuelle Serie macht mir sehr viel Spaß, obwohl die Bilder spontan, und "einfach" sind. Sie sind ein bisschen back-to-the-roots, kein Licht, einfache und schnelle Portraits, die aber eine Stimmung festhalten. Es gibt auf der anderen Seite auch Bilder, die technisch eine Herausforderung darstellen – aber unabhängig von der Frage, wieviele Lichtquellen, welche Blende oder welche sonstigen Dinge berücksichtigt wurden, ist die emotionale Verknüpfung für mich das wichtigste.

9. Mit welchen Alter hast du Angefangen, kreativ zu werden? Und wann > hast du es bewusst wahrgenommen?
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Das ist sehr relativ: Ich habe schon als kleines Kind mit analogen Kameras "geknipst" – natürlich ohne künstlerischen Anspruch. Ich habe spät angefangen, mir über  Gestaltungselemente wie Blende, Schärfentiefe, etc. Gedanken zu machen. Lange vorher, vielleicht mit 15 oder 16, habe ich allerdings schon in Photoshop rumgespielt und mich an Webseiten-Designs probiert.

10. Welche 3 Seiten besuchst Du regelmäßig?

Eigentlich immer alle beschriebenen Blogs rauf und runter. Strobist gehört dabei aber zur ersten Adresse. Ich schaue auch gerne ins DSLR-Forum und auf VIEW.

11.Mit welchem Künstler würdest du gerne einmal Zusammenarbeiten und  an welchen Projekt würdest du dann mit dieser Person arbeiten wollen?

Ich würde gerne mit Joe McNally und David Hobby ein paar "spektakuläre" Shoots an geilen Locations machen. Ansonsten gibt’s da einen gewissen ONDRO, der spektakuläre Bilder von "bösen Jungs"(Rapper, etc) macht. Ihm würde ich gerne mal über die Schulter gucken.

12.  Für welche Firma würdest du gerne einmal arbeiten?

Die Standard-Antwort müsste nun eigentlich Google heißen, aber am liebsten würde ich für meine eigene Firma arbeiten :) Ich habe mit meinem besten Freund einiges in Planung und wir sind dabei, Fuß im Bereich des "Crowdsourcings" zu fassen.

13. Was ist dir wichtiger, ein schönes eigenes Online-Portfolio oder  eine perfekt abgegeben Arbeit?image020

Mir ist die Präsentation des Portfolios zwar schon wichtig, aber ich habe nicht die Zeit, es perfekt zu machen. Daher konzentriere ich mich meistens auf die Fotos.

14. Du benutzt ja ein Blog-System für deine Webseite und sicher andere  Social-Network Plattformen, wo siehst du den Sinn in solchen  Online-Tools, und was bringen sie dir?

Ohne WordPress wäre mein Leben traurig und grau! Ich benutze Facebook und solche Netzwerke, um immer mal wieder meinen Freunden ein Update zu geben über neue Projekte, Fotos, etc – und bekomme so schnelles und einfaches Feedback. Ohne geht’s nicht (mehr)!

15. Was hältst du von der Farbwolke und was würdest du evtl.  verbessern wollen?

Farbwolke finde ich einfach klasse! Ihr präsentiert sehr geschmackvoll und stilsicher tolle Portfolios und Bilder, die Aufmachung ist klasse.

Wenn ihr die Künstler noch mehr zu Wort kommen lasst, und mal konkret Entstehungsgeschichten zu bestimmten Bildern nachfragt, wird es vielleicht sogar noch interessanter. Aber ich kann nur sagen: Bitte so weitermachen!

Infos zum Interviewpartner:
>> Porfolio >> http://younghill.net

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